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Restauration - Modifikation - Tuning

Das Thema wurde oft diskutiert, aber selten exakt definiert: Was genau ist der Unterschied zwischen "Restauration", "Modifikation" und "Tuning"?

Eine Restauration bedeutet, einen funktionsfähigen CD-Spieler weitgehend in seinen Originalzustand zu versetzen. (Falls er aufgrund eines Defekts nicht spielt, handelt es sich um eine Reparatur). Zu den notwendigen Maßnahmen einer Restauration, die den Ursprungszustand belassen, trotzdem natürlich sehr zeitaufwendig sind, gehört beispielsweise die Beseitigung kalter Lötstellen. Das geschieht durch fachgerechtes, behutsames Entlöten und Anbringen neuen Silberlots. Die Platinen werden gesäubert, von klebrigem Staub, Tierhaaren und Nikotinbelägen befreit. Mechanische Teile werden gangbar gemacht, indem sie justiert, auf den Millimeter genau gerichtet und (unter Umständen) mit geeigneten Mitteln gefettet werden. Die Liste der wichtigen Schritte einer originalgetreuen Restauration lässt sich beliebig fortsetzen.



Aber schon beim Ersatz gealterter Bauteile in einem CD-Spieler verschwimmt die Grenze zwischen Restauration und Modifikation. Von Alterung betroffen sind zum Beispiel Kondensatoren. Viele der in früheren Geräten verwendeten Originaltypen sind aus guten Gründen nicht mehr erhältlich. Der Bauteilemarkt hat sie längst durch deutlich verbesserte Kondensatoren ersetzt.

Um die Unterschiede zwischen Restauration und Modifikation zu verdeutlichen, ist ein Vergleich mit Autos hilfreich. Bei Oldtimern ist es verpönt, alte Teile durch neue zu ersetzen. Nachträglich eingebaute Scheibenbremsen, eine servounterstützte Lenkung, selbst ein nicht originaler Rückspiegel gelten als Tabubruch. Oberstes Gesetz ist es, das Auto in seinem Originalzustand zu erhalten.

  Bei einem CD-Spieler stellt sich die Frage anders: Dürfen die alten, längst ausgetrockneten Kondensatoren ausgetauscht werden? Oder will der Besitzer mit einem Gerät leben, dessen Klang im Vergleich zum Originalzustand sich von Jahr zu Jahr hörbar verschlechtert? Die Frage ist eher theoretischer Natur. Einen wertvollen CD-Spieler mit nur noch eingeschränkt funktionsfähigen Bauteilen krampfhaft in seinem originalen Zustand zu belassen, würde bedeuten, dass er seinem sicheren Tod entgegendämmert.

Alles spricht dafür, alte durch moderne Bauteile zu ersetzen, um die originalen Klangeigenschaften mindestens wieder auf das ursprüngliche Niveau zu bringen. Hier ist also bereits der Punkt erreicht, an dem "Restauration" und "Modifikation" zwangsläufig ineinander übergehen. Das vorläufige Fazit dieser Betrachtung lautet: Wer die unschätzbaren Vorzüge eines früheren CD-Spielers (sie beginnen mit den für die Ewigkeit gebauten Laufwerken und enden mit der extrem soliden, fast schwingungsfreien Mechanik) durch den Einsatz moderner Bauteile erhalten und sinnvoll nutzen will, kommt an einer Modifikation nicht vorbei.



Damit nähern wir uns dem Begriff "Tuning". Im Wortsinne bedeutet das englische "tune" nichts anderes als "abstimmen" oder "justieren". In Misskredit geriet der Begriff erst durch das "Tuning" bei bestimmten Automarken. Der tiefergelegte Dreier-BMW mit ofenrohrgroßem Auspuff, der chipgetunte Diesel, für den aus guten Gründen die Gewährleistung erlosch, oder in früheren Jahren der legendäre Opel Manta mit Rallyestreifen und Fuchsschwanz erzeugten berechtigtes Misstrauen hinsichtlich der Seriosität von "Tuning".

Bedauerlicherweise wird hier nicht stärker differenziert. Denn Tuning ist eine höchst seriöse Angelegenheit - vorausgesetzt, es erfolgt mit kundiger Hand und entsprechendem Know how. Auch hier hilft ein Vergleich mit der Autowelt weiter. Beispielsweise unterzog die ursprünglich kleine Manufaktur AMG viele Mercedes-Modelle einem so erfolgreichen Tuning, dass der Daimler-Konzern die Firma vor einigen Jahren kaufte und seither als offizielles Tochterunternehmen führt. Fast alle Modelle von AMG basieren auf Serienautos, deren Motoren, Getriebe oder Fahrwerke mit großer Ingenieurskunst auf Höchstleistung gebracht werden. Auch bei BMW ist das Tochterunternehmen mit dem berühmten Kürzel "M" ausschließlich damit beschäftigt, die Serienmodelle zu verbessern. Das Ziel dieser Maßnahmen liegt allerdings nicht darin, mit Brachialgewalt möglichst viele PS aus dem Motor herauszukitzeln - ohne Rücksicht darauf, ob nun das Fahrwerk hoffnungslos überfordert ist oder der leistungsgesteigerte Motor einen frühen Tod stirbt. Vielmehr liegt die Kunst des Tunings in perfekt aufeinander abgestimmten Verbesserungen aller wesentlichen Merkmale des Autos, vom Motor über das Getriebe bis zu Stoßdämpfern und Stabilisatoren. Dass ein AMG-Mercedes oder ein M-BMW um einiges teurer sind als die Originalmodelle, versteht sich von selbst.



Auch beim Auto-Tuning muss unterschieden werden, ob es sich um eine Maßnahme zur Verbesserung einer einzigen Eigenschaft (z. B. höhere Motorleistung) handelt, mit dem eine andere Eigenschaft (zum Beispiel das Fahrwerk) gar nicht mithalten kann; oder ob eine umfassende Überarbeitung vorgenommen wird, die das Auto mit allen seinen Eigenschaften auf ein höheres Niveau hebt.

Bei Philips-CD-Playern geht es um das selbe Phänomen. Es gibt Kritiker von "Modifikation" oder "Tuning". Manchmal behaupten sie, es sei ein Sakrileg, sich grundsätzlich an einem dieser Player zu "vergreifen". Was die Ingenieure von Philips konstruktiv vorgesehen hätten, sei im Nachhinein sowieso nicht verbesserungsfähig. Oder sie bestreiten sogar, dass hörbare Verbesserungen durch Modifikation überhaupt möglich seien.



Bezeichnenderweise haben diese Kritiker mit dieser Verweigerungshaltung noch nie einen modifizierten Player im Zusammenspiel einer guten Anlage gehört, geschweige denn einen seriösen A-B-Vergleich durchgeführt. Diejenigen, die nur aus Prinzip solche Modifikationen als unzulässige Eingriffe ablehnen, zeigen damit, dass sie weder von Marktgesetzen noch von Technik etwas verstehen.

Bevor ich darauf eingehe, schicke ich vorweg, dass ich großen Respekt vor der ungeheuren Leistung der Philips-Ingenieure habe, die in den 80-er Jahren die Compact Disc und die dazugehörigen Player entwickelten. Die Entwicklung hatte in den holländischen Philips-Laboren in Eindhoven stattgefunden. Viele Dutzend deutsche, französische und britische Ingenieure hatten jahrelang gerechnet, getüftelt und konstruiert, bis die silbrig-runde "Digital-Revolution" endlich funktionierte. Ich wäre niemals so vermessen, zu behaupten, dass man mit ein paar Handgriffen, einer simpel gebrückten Schaltung oder dem voreiligen Austausch einiger Bauteile einen Philips CD 100, 104 oder 304 mit wenigen Stunden Arbeitsaufwand verbessern kann.



Um zu beurteilen, an welcher Stelle was möglich ist und was nicht, muss man rund 30 Jahre zurückgehen. Beginnen wir mit einem Blick auf die Bauteile. Früher standen praktisch nur Kohleschichtwiderstände zu Verfügung. Die besaßen nicht nur große Toleranzen von 10 % und darüber, sie rauschten auch stark. Ihr Temperaturverhalten war in der Praxis fragwürdig, schon eine kleine Erwärmung verkleinerte den Widerstandswert erheblich. Bei den damals verwendeten Ölpapierkondensatoren waren Abweichungen von über 10 % der Nennkapazität normal. An vielen Stellen wurden also zwangsläufig Bauteile verwendet, deren Genauigkeit eher in Gottes Hand als auf dem Reißbrett eines Ingenieurs lag. Die Serienstreuungen der Geräte waren entsprechend groß.

Heute stehen Widerstände mit einer Genauigkeit von 1 % und besser zu Verfügung. Für Kondensatoren gilt prinzipiell das gleiche. Die Qualität der Bauteile hat in diesen 30 Jahren rapide Fortschritte erlebt. Umgekehrt ist es heutzutage bei annehmbaren Kosten nicht mehr möglich, ein so aufwendiges Laufwerk wie das CDM-0 oder CDM-1 eines Philips zu konstruieren. Es würde auch bei einer Großserienfertigung etwa 1000 Euro kosten.



Die Folge ist, dass selbst bekannte High-End-Anbieter notgedrungen auf DVD-Massenlaufwerke billiger Machart zurückgreifen müssen, um überhaupt noch CD-Player anbieten zu können. Die fehlenden inneren Werte werden durch edle Gehäuse und hohe Ausgaben für Marketing und Werbung kompensiert. Manchmal sorgt nur eine dicke Bodenplatte dafür, aus dem technischen Leichtgewicht ein scheinbares Schwergewicht zu machen.

Kein vernünftiges Argument spricht dagegen, das Beste aus der früheren und der heutigen Welt miteinander zu verbinden. Schon der Blick auf ein Foto zeigt, dass die Mechanik eines CD 304 ihresgleichen sucht und wahrscheinlich nie mehr hergestellt wird. Diese Philips-Laufwerke werden sich noch drehen, wenn die Überreste der heutigen High-End-Player längst als PET-Trinkflaschen und Autostoßstangen recycelt worden sind.



Auch die Rahmenbedingungen, unter denen Produkte in einem Großkonzern entwickelt werden, müssen bei der Beurteilung von Sinn oder Unsinn einer Modifikation betrachtet werden. Kosten-Gesetze galten damals genauso wie heute. Ein Ingenieur kann noch so ingeniöse Ideen entwickeln - wenn der Controller mit dem Rechenstift zuschlägt und die Idee als zu teuer für eine Serienfertigung erklärt, ist sie schnell erledigt. Jeder Konzern kalkuliert beim Einsatz von Bauteilen immer mit der zweiten oder gar dritten Stelle hinter dem Komma.

Schließlich spielt auch ein einfaches Gesetz eine Rolle: Hinter jedem Gerät und seiner Entwicklung stecken Menschen mit ihren Eigentümlichkeiten. Wer kennt nicht die Situation, dass ein junger Ingenieur eine mutige Idee hat oder einen ungewöhnlichen Weg vorschlägt, aber an der Unbelehrbarkeit eines in Ehren ergrauten Vorgesetzten scheitert? Oder dass ein kleines Team junger Entwickler die Schreibtisch-Bosse hinters Licht führt, indem es eine Entwicklungsstufe bei einem Produkt vorsieht, die aber schließlich doch nicht weiterverfolgt wird? Bei manchen konstruktiven Eigenheiten speziell der Philips-CD-Player ist es so zugegangen. Einige hervorragende Möglichkeiten der CD-Spieler blieben bereits damals seltsamerweise ungenutzt. Manche klangfördernden Eigenschaften hätten sich durch den Mehreinsatz von vielleicht einer oder zwei Mark bzw. Gulden schon in der Anfangsphase deutlich verbessern lassen.



Das Fazit dieser Erörterungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln ist eindeutig. Es gibt kein logisches Argument gegen die klangliche Aufwertung eines CD-Spielers mit neuzeitlichen, überlegenen Bauelementen. Es gibt auch kein vernünftiges Argument gegen technische Verbesserungen an Stellen, die beim Originalmodell aus Kostengründen nicht genutzt wurden. Ebenso wenig macht es Sinn, aus reinen Marketinggründen eingeführte Merkmale zu belassen, wenn ein Gerät ohne diese besser klingt.

Ob wir nun von Tuning oder von einer Modifikation sprechen, ist gleichgültig, solange die Veränderungen nach professionellen Maßstäben erfolgen. Als professionell bezeichne ich eine Modifikation, wenn sie auf der Basis langjähriger Erfahrung stattfindet und eine deutliche Anhebung sämtlicher klanglichen Eigenschaften eines CD-Spielers ergibt. Scheineffekte, beispielsweise eine betonte Präsenz oder einen akzentuierteren Bass bei der Wiedergabe von Musik, lehne ich aus Überzeugung ab. Auch Maßnahmen, die zu einer Verkürzung der Lebensdauer eines Geräts führen könnten, erfüllen nicht die Maßstäbe einer seriösen Modifikation.



Um das Ziel einer deutlich gesteigerten Klangqualität bei einem CD-Spieler zu erreichen, gehört außer dem in langen Jahren erworbenen Know how auch der Einsatz von schnödem Geld. Wenn man in vielen Versuchen herausgefunden hat, dass beispielsweise ein Quartett Präzisionskondensatoren für 80 Euro zu besseren Ergebnissen führt als die elektrisch äquivalenten, aber inkonstanteren Typen für 8 Euro, müssen die teureren Bauteile zwingend verwendet werden. Zum professionellen Modifizieren von CD-Spielern gehört auch eine gewisse Sucht nach Perfektion.

Aber was gibt es Schöneres, als beispielsweise einen alten CD 304, der schon im unbehandelten Originalzustand gut klingt, gegen einen restaurierten zu hören und festzustellen, dass er entscheidend besser klingt? Und dann im nächsten Schritt den restaurierten mit einem modifizierten CD-Spieler zu vergleichen. Zu hören, dass Musik nicht mehr gespielt wird, sondern unter die Haut geht. Dass eine Pikkolo-Flöte ihre Silbrigkeit behalten, ihre Schärfe aber verloren hat. Oder dass der Drummer in Wahrheit keine Pause machte, wie der unmodifizierte CD-Spieler suggerierte, sondern zwischendurch mehrfach zart das Fell bearbeitete.

Technische Verbesserungen und Modifikationen verstehe ich nicht als Selbstzweck. Sie dienen mir, das Musikerlebnis auf das höchste erreichbare Niveau zu heben.