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Wie können wir Musik messen?

Die Antwort ist ernüchternd. Seit einem halben HiFi-Jahrhundert versuchen tausende Forscher und Ingenieure weltweit, das Geheimnis des guten Klangs messtechnisch zu definieren. Es ist immer noch nicht gelungen. Wahrscheinlich wird es auch niemals gelingen. Wir nehmen Musik auf unterschiedliche Weise auf. Das ist morgens anders als abends. Wenn wir gestresst sind, hören wir anders, als wenn wir fröhlich sind. Emotionen spielen also eine erhebliche Rolle.

Mit den heutigen technischen Möglichkeiten können wir Schall, sprich Musik, weder mit 100%iger Genauigkeit aufnehmen noch wiedergeben. Es gibt keine perfekten Mikrofone auf der Eingangsseite, noch gibt es perfekte Lautsprecher auf der Ausgangsseite.

Das ist die Grundlage, auf der die Entwicklungen der vorigen Jahrzehnte basieren. Aber das Streben nach High Fidelity, also der Wiedergabe des Originals mit möglichst hoher Naturtreue, hat seltsamerweise einen anderen Weg genommen. Statt weiterhin um jedes Quäntchen Qualitätssteigerung zu ringen, haben sich die ursprünglichen Ziele streng genommen ins Gegenteil verkehrt. Das zeigt der Erfolg der mp3-Musik. Er beruht auf dem Diktat, die Kosten drastisch zu senken und in Sekundenschnelle Millionen billiger Kopien verbreiten zu können. Die eingedampfte musikalische Qualität widerspricht allen HiFi-Grundsätzen. Parallel dazu sank der Anspruch an die Abspielgeräte. Das unterste Ende markieren die mp3-Player für ein paar Euro, der Dudelklang aus dem Handy oder die Dauerberieselung im Supermarkt mit quäkenden Lautsprechern, die der Laune schaden.

Mag sein, dass diejenigen Menschen, die sich einem Pseudo-Fortschritt zu Lasten der Qualität verweigern, als altmodisch gelten. Es ist in Wahrheit ein Fortschritt, dass sie sich der psychoakustischen Manipulation ihrer Sinne verweigern. Die Aufgabe der nötigen Interpretation geschieht durch unser Gehirn mit dem Beta Muster einer unbewussten Anstrengung - eine ruhige Entspannunsgmusik bereitet unterschwellig Stress. Das ist allerdings messbar.

Schlussfolgerungen

1. Bei Entwicklung, Reparatur oder Modifikation von HiFi-Komponenten sind Messungen unerlässlich. Über die Wiedergabequalität sagen sie jedoch nur sehr wenig aus. Übrigens genauso wenig, wie die Angabe nur der Watt-Belastbarkeit bei Lautsprechern.

2. Das Streben nach Fortschritt und Verbesserung ist eine elementare Tugend des Menschen. Ohne diese Eigenschaft hätte es kein Auto, kein Dampfschiff und keine Mondlandung gegeben, gleichgültig wie man diese bewertet. Es gilt also, nach immer neuen Wegen zu suchen, um die Wiedergabe eines HiFi-Geräts zu verbessern, und sich minderer Qualität zu verweigern.

3. Der Gedanke der Nachhaltigkeit schließt ein, dass wir den Wert alter Geräte entdecken und entsprechend einstufen. Der "High-End-Player" mit DVD-Laufwerk, wie er mittlerweile in jedem PC werkelt, ist bei einem Defekt schon in wenigen Jahren nicht mehr zu erhalten. Die Reihe lässt sich beliebig fortsetzen.

4. Wir geben viel Geld für Unnötiges und wenig Werthaltiges aus. Die "Wegwerf-Kamera" steht als Symbol für teures Wirtschaften mit Rohstoffen und Ressourcen. Der Sinneswandel hat jedoch schon jetzt manch einen überholt. Immer mehr Menschen geben ihr Geld bewusst für Produkte aus, die ein hohes Qualitätsniveau mit langer Haltbarkeit verbinden.

5. Musik ist ein unglaublich faszinierendes Medium. Sie verdient es, dass wir ihr eine angemessene technische Basis gönnen, um sie in ihrer ganzen Schönheit und Vielfalt zu Hause genießen zu können.

Bauarten in der Audiotechnik

Betrachtet man die Bauarten der Audio-Elektronik aller bisherigen Entwicklungsstufen, findet man eine schmalbandige Epoche, mit der die angestrebte originalgetreue Musikreproduktion derzeit noch am besten zu erzielen ist. Nach Ablösung der Vakuum-Röhren durch Germanium-Transistoren und deren Ablösung durch Silizium-Transistoren, wurde HiFi-Elektronik aus vielen einzelnen Transistoren in sogenannter diskreter Bauweise gefertigt.

Philips CDM1 Laser

Alle folgenden Entwicklungen durch immer höhere Integration von Schaltkreisen in Silizium, bringt in der HiFi-Elektronik Vorteile in Baugröße und Kosten, aber Nachteile in z.B. Impuls- oder Übersprechverhalten. Sicher wäre ohne die wachsende Integration ein CD-Spieler, oder auch ein Computer, in wohnzimmertauglichen Dimensionen kaum vorstellbar. Aber was für einen HiFi-Verstärker höchster Güte zutrifft, gilt auch für einen CD-Spieler. Diskret aufgebaute Geräte sind teurer in der Produktion, bieten aber eine höhere Klangqualität.

Die Stufe, an der wir keine echten Verbesserungen an Audio-Geräten (Ausnahme sind nur Lautsprecher) mehr erwarten dürfen, hat längst begonnen. Die Hersteller konzentrieren sich auf den größten Konsumermarkt mit "Multimedia-Kühlschränken". Sogenannte diskrete Bauteile werden kaum noch produziert und sind bereits in großem Umfang ausgestorben. Absoluten Vorrang haben hochintegrierte Chips, die sich universell in PCs und AVR-Receivern, Mikrowellen und Autos einsetzen lassen. Die Entwicklungsarbeit in den Großkonzernen besteht überwiegend darin, diese Universal-Chips für die jeweilige Anwendung zu programmieren. Mangels diskreten Bauteilen wird künftig niemand mehr ein Audiogerät mit höchstem Anspruch produzieren können - auch wenn er es wollte.

Digitale Musikwiedergabe

Gibt es demnächst nur noch einen Universal-Chip für jeden Zweck? Mit eingebautem Over- und Upsampling? Mit "Klangfeldgeneratoren", die alle Schwächen der Konstruktion auf unnatürliche Weise wegbügeln, und billigen Schaltnetzteilen auf SMD-Platinen, was denkbar schlechte Voraussetzungen für die Musikwiedergabe auf hohem Niveau bietet?

Diese Zukunft wird kommen. Statt einer Musikanlage wird im Wohnzimmer des Konsumenten ein Multimedia-Computer stehen, der neben der Wiedergabe von Musik und Videos auch den Kühlschrank verwaltet und für aus dem Netz geladene MP3-Songs die Gebühren automatisch abbucht.

Was bleibt also demjenigen, der nach wie vor großen Wert auf die Qualität der Musikwiedergabe legt? Es gibt nur einen Weg: Bereits gefertigte Geräte in diskreter Bauart zu suchen, diese liebevoll zu erhalten und, wo nötig, sie zu verbessern sowie defekte oder gealterte Bauteile zu ersetzen.

Es ist verständlich, dass Menschen mit zwei Ohren und etwas dazwischen seit vielen Jahren an der Vinyl-Schallplatte festhalten. Unter diesen Kennern gilt die Vinyl-Klangqualität als unübertroffen natürlich und ausgewogen. Aber wie wäre es, ein CD-Abspielgerät zu erhalten, das im Vergleich zu den besten Aufnahmen auf Vinyl deren physikalische Grenze überwindet?

Natürlich muss die vorhandene CD-Gerätebasis sorgfältig restauriert werden. Um die Schwächen abzustellen, die in mehr als 20 Jahren Testzeit festgestellt wurden, benötigt man viel Zeit und Erfahrung. Aber der Gegenwert, den man erhält, ist hoch: Man bekommt ein Gerät mit sehr natürlichem, räumlich präzisem und direktem Klang, das Musikwiedergabe von einer CD in einer bisher unbekannten Dimension ermöglicht. Dieser Wert ist mangels Konkurrenz gar nicht hoch genug einzuschätzen.