nanocamp Audio-Modifikation
24 Bit 192 khz im Vergleich

Überall wird der Anschein erweckt, dass die HiFi-Entwicklung in den vergangenen Jahren riesige Sprünge gemacht hat. Glaubt man der Werbung für digitale Wiedergabegeräte, wird seit fast 30 Jahren kontinuierlich eine immer bessere Wiedergabe geboten. Solche Behauptungen werden bereitwillig aufgenommen, sucht doch jeder HiFi-Interessierte ständig nach diesen Verbesserungen. Wenn man die Werbeaussagen wörtlich nimmt, müsste man eigentlich zu dem Schluss kommen, dass die Reproduktion von Musik über eine HiFi-Anlage längst besser sei als das Original!

In der Werbung spielen immer höhere Bit-Zahlen eine entscheidende Rolle. Sie sollen klangliche Vorteile suggerieren. Das verdummende Prinzip lautet: "Je höher die Zahlen, desto besser das Ergebnis." Allzu gern wird verschwiegen, dass die aus dem technischen Zusammenhang herausgelösten Zahlenwerte keinerlei Aussagekraft haben.

Daher stelle ich hier die Eigenschaften eines nanocamp CD-Spielers, der nach der Modifikation zwei der altbewährten Wandler TDA1541A mit dem metronom vor einer diskret aufgebauten Ausgangsstufe verbindet, in einen Vergleich mit einem Wandler der neuen Generation. Dieser Wandler wird in CD-Spielern im vierstelligen Euro-Bereich verbaut, ist aber genauso in DVD-Spielern für um die 200 Euro zu finden. Entwicklern bietet er auf den ersten flüchtigen Blick ein phantastisch erscheinendes Merkmal.


Technische Daten

  24/192 TDA1541A
Datenfenster   
Samplingfrequenz   
Signal to Noise Ratio   
Harmonic Distorsion   
Channel Separation   
Dynamic Range   
Output   
24 Bit
bis 192 khz
106 db
-86 db
95 db
104 db
2VRMS DC-compensated
16 Bit
bis 384 khz
112 db
-95 db
98 db
96 db
4,0 mA

Messdaten sagen nichts über den Klang aus. Dennoch sind diese einen Blick wert, da die angeblichen Vorteile einer Digital-Analog-Wandlung mit den Zahlenwerten 24 Bit mit 192 khz, also durch "überlegene" Messdaten, bewiesen werden sollen. Auf dem Papier hat der fast 25 Jahre nach dem TDA1541A entwickelte Wandler drei Vorteile: Eine höhere Bitrate, einen um 8 dB größeren Dynamikbereich und den für Entwickler attraktiven "fertigen" Audioausgang mit definierten 2 Volt Leistung. Er ist insofern praktisch, weil hier keine eigene Entwicklung mehr nötig ist. Allerdings - und das ist einer der entscheidenden Nachteile - auch nicht mehr möglich. Beim zweiten Blick fällt auf, dass bestimmte Daten des 24/192 schlechter sind als die des TDA.

24 Bit 192 khz Dac   24/192 ca. vierfach vergrößert im CD-Spieler
Links am Bildrand sind oben und unten ein Transistor für die Stummschaltung (Muting) sichtbar, die als letzte Bauteile vor den Cinchbuchsen am Ausgang sitzen. Am Signalweg davor befinden sich rechts daneben 4 Widerstände und 2 Kondensatoren, die einen analogen Tiefpassfilter bilden. Es ist keine weitere Aufbereitung durch einen Operationsverstärker nötig. Dank der Gleichstromregelung des Wandlers kann dieser auch auf einen Koppelkondensator im Signalweg verzichten.
Dieser Wandler ermöglicht mit seinen integrierten Digitalfiltern, seinen Verstärkern sowie der Entfernung des schädlichen Gleichstroms einen Verzicht auf viele weitere Bauteile und somit eine erhebliche Kostenreduzierung. In den hochpreisigen Wiedergabegeräten finden sich erstaunlicherweise trotzdem weitere Verstärkungsstufen und Spannungsfolger (Buffer), zum Teil auch mit Röhren. Deren Aufgabe ist es, dem Gerät durch eine Veränderung des ursprünglichen Signals eine individuelle Note zu verleihen. Gelegentlich wird bewusst ein Sound hinzugefügt. Wenn ein CD-Spieler außerdem mit höherem Ausgangspegel lauter als die Vergleichsgeräte spielt, wird das bekanntlich erst einmal als "besser" empfunden. Mit Klangneutralität haben solche Maßnahmen jedoch nichts zu tun.

Die beiden anderen Vorteile beziehen sich auf Auflösung und Dynamik. Aber nur theoretisch. Denn der Dynamikumfang des TDA1541A bietet mit seinen 96 dB eine mehr als ausreichende Reserve. Musik erreicht nämlich einen maximalen Dynamikumfang von 80 dB. Die menschliche Stimme besitzt einen Dynamikumfang von 40 dB. Es hat praktisch keinerlei Auswirkung 24 dB statt 16 dB mehr Dynamikumfang als benötigt zu besitzen. Insbesondere wenn eigentlich wichtigere Werte vernachlässigt wurden.


Vergleich im Hörtest

Vorteile, die nur auf dem Papier stehen, suggerieren zwar eine Überlegenheit, aber sie bringen dem Zuhörer nichts. Für einen objektiven Vergleich müssen zunächst einmal identische Bedingungen geschaffen werden. Beide Abspielgeräte, der metronom mit TDA-Wandler und das Vergleichsgerät mit 24/192-Wandler, geben die gleiche Aufnahme wieder, indem sie zwei identische CDs abspielen. Beide Abspielgeräte besitzen den gleichen Ausgangspegel und werden mit gleicher Verkabelung an der selben Musikanlage getestet. Das Zeitaufwendigste bei diesem Versuchsaufbau war, beide CDs zeitgleich abzuspielen, da der metronom mit seinem CDM-1 Laufwerk bei gleichzeitigem Drücken der Play-Tasten an beiden Geräten um ca. 1,5 Sekunden früher einsetzt. Ursache für die etwas lahme neuere Technik ist das Up-Sampling des digitalen Signals auf die 24 Bit 192 khz. Laufen beide Geräte synchron, kann am Hörplatz durch Umschalten der Wiedergabequelle an der Fernbedienung - frei von allen technischen und räumlichen Unterschieden -verglichen werden. Um das Ergebnis frei von Vorurteilen, Suggestionen und "Hintergrundgeschehen" zu halten, wissen die Zuhörer nicht, welches Gerät jeweils zu hören ist. Abschließend wird daher die Anzeige der Eingangsquelle am Verstärker abgedeckt.

Der eigentliche Hörtest fiel dann kürzer als erwartet aus. Der Unterschied war sofort, eindeutig und jederzeit wiederholbar festzustellen. Eindeutig fällt die größere und trotzdem straffere Klangfülle der "alten" Technik auf. Nicht nur die Menge an Details, auch deren Präzision und Natürlichkeit ist über das gesamte Frequenzspektrum nicht nur "ein kleines bisschen" besser. Auf eine blumige Beschreibung von Nuancen kann daher erfreulicher Weise bei diesem Hörvergleich verzichtet werden.

Die Gründe für die derart deutlichen Klangunterschiede liegen in den digitalen Chips selbst und der Art, wie diese im CD-Spieler eingebunden werden. Das Ergebnis dieses Vergleichs ist eine schallende Backpfeife für moderne Audioelektronik und spricht gegen jegliche Manipulation des digitalen Signals durch Over-und Upsampling oder Kompression. Die Vorteile des 24/192 liegen einzig und allein in der billigeren Produktion.

metronom
Eine Musikanlage soll ganz einfach möglichst gut Musik wiedergeben. Was beim Zuhörer davon ankommt, kann einzig das Qualitätskriterium sein. Wenn Technik ihren angedachten Zweck in den Hintergrund stellt und sich durch ganz andere Messungen rechtfertigen möchte, erscheint bereits das Prinzip verdächtig.