nanocamp Audio-Modifikation
CD-Spieler sensus

Mein Augenmerk lag lange Zeit nur auf den CD-Spielern von Philips. Aber dann fiel mir dieses formschöne Gehäuse auf. Es handelt sich um den Bang & Olufsen CDX vom Typ 5121. Verantwortlich für diesen auch heute noch futuristisch wirkenden CD-Spieler mit dunkel getöntem Glas und Aluminium war der damalige B&O-Designer Jacob Jensen. Der CDX wurde durch berührungssensitive Felder in einer mit LED beleuchteten, dunklen Glasabdeckung gesteuert. Damit war er seiner Zeit weit voraus.

Rund zehn Jahre zuvor besaßen schon die ersten Personal Computer für den Heimgebrauch, etwa der Commodore PET2001 oder der Sinclair ZX81, eine Folientastatur. Aber diese Tastaturen waren unpraktisch und vermittelten eher den Eindruck, dass die Entwickler sparen mussten. Beim CDX hingegen wirkt alles edel, wertig und elegant. Mir ist kein anderes Gerät aus dieser Epoche bekannt, das mit einer solch zeitlosen Optik überzeugt. Vergleicht man damit moderne Technologien mit "Touchscreen-Steuerung, zum Beispiel Smartphones, erkennt man schnell, dass deren Design und Ergonomie 30 Jahre nach dem CDX keineswegs einen Fortschritt darstellen.

B&O CDX

Mit dem Toplader CD 100 und seinen Verwandten hatte ich mich schon zuvor beschäftigt. Die besaßen aber nicht die gewünschten Voraussetzungen für einen Umbau mit allen gewünschten Modifikationen. Daher konzentrierten sich meine Umbauten auf den CD 104 und seine im Inneren weitgehend identischen Brüder. Um so interessanter erschien mir der CDX, als ich feststellte, dass er mit dem hervorragenden CDM-1-Laufwerk und den 14-Bit-Wandlern TDA 1540 vom Typ P ausgestattet war. Das versprach eine - gegenüber dem CD 100 - ausgereiftere Technik und eine bessere Funktionalität. Der CD-Spieler von B&O überzeugte mich doppelt: Er konnte nicht nur das hervorragende Simultan-Datenformat liefern, sondern auch eine extravagante Optik.

CDX mit geöffnetem CD-Fach

Als ich den ersten CDX untersuchte, war mein Erstaunen groß. Nicht allein wegen der Komplexität, die sich nach Demontage des unteren Gehäusedeckels zeigte. Er besitzt nämlich außer dem CDM-1-Laufwerk eine mit dem CD 104 identische Servo- und Wandler-Platine. Diese Platinen sind in einem an den CD 100 angelehnten Zinkguss-Korb verbaut.

Ansicht ohne unteren Gehäusedeckel

Wird der Zinkguss-Korb nebst Hauptplatinen aus den Gehäuseschalen entfernt, erinnert das Gebilde an einen CD 100 - wie ich ihn mir immer gewünscht hatte, nämlich als Toplader, aber mit CD-104-Technologie.

Zink-Gußkäfig ohne Gehäuseschalen


Netzteil

Hier werden nur auszugsweise Details gezeigt. Bei einer Restauration und umfassenden Modifikation, erfolgen viele weitere Arbeitsschritte, die hier nicht beschrieben werden.

Das entnommene Netzteil des CDX erinnert in Form und Bestückung an dasjenige des CD 104. Aber die Spannungen sind an die B&O-Besonderheiten angepasst. Versorgt das Netzteil im CD 104 ein Röhrendisplay, kommt beim CDX eine LED-Segmentanzeige zum Einsatz. Der freihängende kleine Folienkondensator am rechten Spannungsregler erinnert an das von Grundig in seinen CD-Spielern eingeführte "Special Grounding", die einzige interne bauliche Veränderung eines Grundig CD7550 gegenüber einem CD 104 der Serie 00 mit Netzfilter. B&O erwähnte diesen Pfennig-Artikel mit keiner Silbe, Grundig machte eine Marketing-Kampagne daraus.

Origiginales Netztel

Nach Demontage der meisten Bauteile werden alle alten Lötstellen mit Silberlot erneuert und optimierte Bauteile eingebaut. Bei der Montage der neuen Spannungsregler werden diese wie in allen Philips-CD-Spielern der betreffenden Baureihen isoliert angebracht und mit Wärme-Leitpaste versehen.

Netzteil zerlegt zur Modifikation

Das zum Einbau vorbereitete Netzteil wird auch an den Spannungsreglern, die bisher ohne Kühlung auskommen mussten, mit einem Kühlkörper versehen.

Fertges Netzteil

Wie bei allen CD Spielern mit dem Zinkguss-Korb des CD 100 muss auf die Baugröße der primären Kondensatoren geachtet werden. Nach der Montage des Netzteils im Zinkguss-Korb sollten die großen Kondensatoren mit zum Beispiel Silikon verklebt werden.

Netzteil nach dem Einbau in den Zink-Gußkorb


CDM-1 Laufwerk

Der Antriebsmotor wird überholt, die Linsen werden sorgfältig gereinigt, zudem müssen die gealterten Elektrolyt-Kondenstoren erneuert werden. Die präzise Einstellung des Fokus und des Lasers erfolgen später bei bereits funktionsfähig montiertem CD-Spieler.

CDM1 Laserlaufwerk nach der Modifikation


Servo-Platine

Auf der Servoplatine werden ebenso wie auf allen anderen Platinen die Lötstellen mit Silberlot erneuert und die Elektrolyt-Kondensatoren getauscht. Die bekannten Probleme mit Massedurchführungen und Feststoffkondensatoren müssen gleichfalls beseitigt werden.

Servoplatine nach der Modifikation


Wandlerplatine Sensus

Bei der vorhandenen Wandlerplatine wurden ebenso die Massedurchführungen erneuert, Silberlot angebracht und außer sämtlichen Elektrolyt-Kondensatoren diverse andere Bauteile erneuert. Der Hybridausgang wurde für CD-Spieler mit dem engen Korb des CD 100 liegend verbaut. Die beiden 16 Bit Wandler sitzen wie der Hybridausgang auf schwingungsgekoppelten Platinen.

Wandlerplatine mit Solid State Ausgang

Bei kaum einem anderen CD-Spieler gestaltet sich der Zusammenbau und die Modifikation so aufwendig. Die geringe Bauhöhe erfordert im Vergleich zum Raumwunder Philips CD 304 eine außerordentlich genaue Auswahl und Planung der eingesetzten Materialien. Selbst die scheinbar triviale Anbringung eines neuen Netzkabels und der Cinchbuchsen verlangt große Sorgfalt und Erfahrung. Aber die besonderen Mühen mit diesem CD-Spieler und die zahlreichen Arbeitsstunden werden mit herausragendem Klang und einer einzigartigen Optik belohnt. Neben der blauen Beleuchtung des CD-Fachs bei geöffnetem Deckel erkennt man durch die Scheibe die ultraviolette Beleuchtung der Unterseite der CD im Betrieb.

CDX mit CDM1 Laser

Es gibt beim CDX nur einen Wermutstropfen: Wegen der sensitiven Steuerung ist das Fernsteuermodul nicht einsetzbar. Ein CDX kann also nur direkt am Gerät und nicht vom Sessel aus bedient werden. Aber das verschmerze ich, da ich Klang auf höchstem Niveau in Verbindung mit einem außergewöhnlich gelungenen Design schätze.